Führung mit kindlicher Intelligenz: Was wir von Kindern über Leadership lernen können
- Dr. Jessica Lange

- 18. Nov. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Warum echte Führung nichts mit Kontrolle, sondern alles mit Menschlichkeit zu tun hat.
Gastbeitrag von Tanja Kaiser

Wir verlernen, was wir am besten konnten
Kinder kommen mit einem unschätzbaren Vorteil zur Welt: Neugier. Mut. Vertrauen.
Sie probieren aus, scheitern, lachen, versuchen es wieder. Sie wissen instinktiv, dass Entwicklung nur dort geschieht, wo sie etwas wagen dürfen.
Doch irgendwann im Laufe des Erwachsenwerdens verlieren wir genau diese Fähigkeit, weil wir lernen, dass Fehler teuer, Zweifel unprofessionell und Emotionen unangebracht sind.
In Unternehmen zeigt sich das täglich: Führungskräfte wollen Sicherheit schaffen und ziehen dabei unbewusst die Handbremse an. Was als Schutz gedacht ist, wird zur Blockade. Kontrolle ersetzt Vertrauen, Prozesse ersticken Kreativität.
Dabei braucht die Arbeitswelt von morgen genau das, was Kinder selbstverständlich beherrschen: die Fähigkeit, mit Unsicherheit zu spielen, statt sie zu bekämpfen.

Kindliche Intelligenz. Ein unterschätzter Erfolgsfaktor
Ich nenne es Führung mit kindlicher Intelligenz. Ein Mindset, das sich nicht auf Alter, sondern auf Haltung bezieht.
Kindliche Intelligenz bedeutet:
Fragen stellen statt vorschnell zu urteilen.
Zuhören statt zu dominieren.
Vertrauen statt Kontrolle.
Staunen statt zu wissen.
Begeisterung zulassen.
Neurowissenschaftlich belegt: Im Zustand von Spiel und Begeisterung arbeitet unser Gehirn doppelt so kreativ, trifft intuitivere Entscheidungen und baut stärkere soziale Bindungen auf.
Kinder leben täglich in diesem Zustand. Erwachsene können ihn wieder erlernen.
Führung neu denken: vom Wissen ins Erleben
Kindliche Intelligenz heißt nicht, naiv zu handeln. Es geht um die Fähigkeit, trotz Erfahrung neugierig zu bleiben.
Wenn Führung wieder lebendig werden soll, müssen wir drei Dinge wagen:
Vertrauen schenken - Wer Kontrolle loslässt, schafft psychologische Sicherheit, die Grundlage für Innovation.
Fehler neu bewerten - Fehler sind Feedback, keine Schwäche. Kinder lernen durch Versuch und Irrtum. Warum trauen wir uns das nicht mehr zu?
Begeisterung kultivieren - Motivation entsteht nicht durch Zielvorgaben, sondern durch Sinn, Zugehörigkeit und Freude am Tun.

Wenn Menschlichkeit wieder Maßstab wird
Führung mit kindlicher Intelligenz ist nicht einfach ein Konzept. Es ist eine Rückbesinnung. Auf das, was uns menschlich macht.
Kinder führen nicht durch Autorität, sondern durch Echtheit. Sie gewinnen Herzen, weil sie berühren. Sie begeistern, weil sie fühlen.
Und genau das braucht moderne Führung: Menschen, die spüren, dass Arbeit mehr ist als Leistung. Sie ist Beziehung.
Reflexion für Führungskräfte
Wann hast Du zuletzt etwas ausprobiert, ohne zu wissen, ob es gelingt?
Wann hast Du einem Teammitglied echtes Vertrauen geschenkt, ohne Absicherung?
Wann hast Du Dich selbst über eine kleine Idee so begeistert wie ein Kind über eine Entdeckung?
Vielleicht beginnt genau dort der Wandel. Nicht im nächsten Meeting, sondern in einem Moment des ehrlichen Staunens.
Fazit
Führung mit kindlicher Intelligenz heißt, den Menschen wieder zu sehen. In sich selbst und in anderen.
Neugier wird zur Strategie. Vertrauen zur Währung. Und Leichtigkeit zum stärksten Motor für echte Veränderung.
Denn wenn wir wieder wie Kinder denken, führen wir nicht weniger professionell, sondern endlich wieder menschlich.

Tanja Kaiser ist Psychologin, Leadership Coach und Speakerin.
Sie begleitet Führungskräfte und Unternehmen dabei, mit kindlicher Intelligenz kreativer, mutiger und menschlicher zu führen.
Mehr unter www.tanjakaiser.co






